Jugend führt Jugend

Wir fordern:

Jugendleiter*innen bei den Pfadfinder*innen werden an ihrem Ausbildungsstand und nicht an ihrem Alter bemessen

Erhalt und Ausbau der finanziellen Förderung der hauptberuflichen Strukturen

Jugendverbände ohne Erwachsenenverband erhalten ein größeres Mitspracherecht und Unterstützung um sich in die politischen Diskussionen einbringen zu können

Aktueller Sachstand:

„Jugend führt Jugend“ ist als Begrifflichkeit eng mit der deutschen Pfadfinderbewegung verknüpft. Schon vor über 90 Jahren wurde er in der Jugendbewegung maßgeblich geprägt. Als klassische Pfadfindermethode besagt er, dass ein*e Jugendleiter*in am besten selbst noch jugendlich seien sollte um die Interessen seiner/ ihrer Gruppe bestmöglich zu verstehen. Dies geht auf den Begründer der Pfadfinderbewegung zurück. Lord Robert Baden-Powell sprach oftmals vom ‚älteren Bruder‘ für die Rolle des Jugendleiters, der aus diesem Gesichtswinkel damit auf die Mitglieder der Gruppe schaut.

Neben dem Versuch, dass die Jugendleiter*innen möglichst selbst noch jugendlich sind, bedeutet er aber für die Pfadfinderei in Deutschland noch mehr. Die Pfadfinder*innen sind eine der wenigen Jugendverbände, die keinen Erwachsenenverband besitzen. Sie stehen selbst für sich ein ohne auf Unterstützung oder Kontrolle durch einen Erwachsenenverband zurück zu greifen. „Jugend führt Jugend“ ist somit einerseits Methode anderseits Alleinstellungsmerkmal der Verbandsstruktur der Pfadfinder.

Problemdarstellung:

In den einzelnen Pfadfinderverbänden ist das Prinzip Jugend führt Jugend unterschiedlich stark ausgeprägt. Betrachtet man die Methode, so ist auffällig, dass die Jugendleiter*innen selbst zwischen 16 und 20 Jahren oder jünger sind. I. d. Regel sind sie somit entweder selbst in der Schule, in einer Ausbildung oder gerade im Übergang zum Studium. Das Freistellungsgesetz bezieht sich nur auf Arbeitnehmer*innen ab 16 und nicht auf Schüler*innen und Studierende. Pro Jahr kann maximal eine Freistellung für zwölf Veranstaltungen im Umfang der dreifachen regelmäßigen Wochenarbeitszeit gestellt werden. Der Anspruch ist nicht auf das nächste Jahr übertragbar. Bei Schüler*innen regeln die einzelnen Schulordnungen (abgesehen von der Berufsschule) die Befreiung vom Unterricht, bei Studierenden gibt es keine generelle Regelung. Dies kann zu einer Einschränkung des ehrenamtlichen Engagements führen.

Neben diesen Einschränkungen stehen rechtliche Herausforderungen, die diese Methode mit sich bringt. Jugendliche Jugendleiter*innen stehen aufgrund der Strafmündigkeit vor besonderen Herausforderungen, wenn es darum geht für ihre Jugendgruppe Aktivitäten zu organisieren. Auch die Wahrnehmung von Erwachsenen ihnen gegenüber als unreife Personen, steht jugendlichen Jugendleiter*innen häufig im Weg.

Als Jugendverbände ohne Erwachsenenverbände fällt es den Pfadfinder*innen schwerer, sich in politische Themen zu engagieren. Auch wenn sie ein großes intrinsisches Bedürfnis haben, stellen wir häufig fest, dass Verbände mit einem gut aufgestellten Erwachsenenverband deutlich leichtere Lobbyarbeit leisten können.

Hauptberufliche Mitarbeiter*innen sind somit gerade in den reinen Jugendverbänden nicht nur eine Hilfe und Stütze, sondern essentiell für das Fortbestehen der Verbände wichtig. Durch die fehlende Möglichkeit der Kompensation durch einen Erwachsenenverband sind die Jugendverbände stark auf finanzielle Förderungen für die hauptberuflichen Stellen angewiesen.

Was muss passieren:

Politisch Verantwortliche fordern wir auf, sich aktiv zu jugendlichen Jugendleiter*innen zu bekennen und somit ihren Rückhalt in der Gesellschaft zu stärken. Wir sind überzeugt, dass nicht das Alter die Reife einer Persönlichkeit ausmacht, sondern in diesem Fall die Ausbildung und die erlernten Kompetenzen. Gerade die Pfadfinder*innen haben ein Ausbildungssystem, das weit über die Standards der JuleiCa hinausgeht. Wir fordern somit, dass insbesondere Jugendleiter*innen bei den Pfadfinder*innen an ihrem Ausbildungsstand und nicht an ihrem Alter bemessen werden.

Wir fordern weiterhin, dass gerade für die Pfadfinderverbände eine finanzielle Förderung der hauptberuflichen Strukturen unabdingbar und weiter auszubauen ist. Nur mit hauptberuflicher Unterstützung können die Pfadfinderverbände weiterhin bestehen.

Junge Menschen wollen sich einbringen. Wir fordern, dass gerade Jugendverbände ohne Erwachsenenverband ein größeres Mitspracherecht erhalten und Unterstützung bekommen um sich in die politischen Diskussionen einzubringen.